Weinbau in Ungarn
Der Weinbau in Ungarn wird bereits seit der Antike betrieben, als große Teile des später von Magyaren besiedelten Ungarns (z.B. Szombathely) Bestandteil des römischen Reiches waren. Im Mittelalter waren Weine aus Ödenburg (Sopron) und Eger bekannt und beliebt.
Auch unter der türkischen Besatzungszeit, als der Ostteil Ungarns türkisch war, wurde dort weiter Weinbau betrieben, da sich der Sultan von Konstantinopel diese Einnahmequelle nicht verschließen wollte.
Während des Kommunismus litt der ungarische Weinbau sehr, da die Kellertechnik in vielen Betrieben hoffnungslos veraltet war. Dennoch gelang es den Ungarn auch in dieser Zeit einige große Weine wie den Tokajer zu keltern.
Weine aus Ungarn bieten ein überragendes Preis-Leistungsverhältnis. Bereits für um die 500 Forint (ca. 2 Euro) sind anständige Rotweine (z.b. Egri Bikavér, Erlauer Stierblut) erhältlich, die einen Vergleich mit Massenbordeaux nicht scheuen müssen. Einfache Qualitätsweine werden sogar für deutlich weniger gehandelt.
Mittlerweile haben sich insbesondere am klimatisch begünstigten Nordufer des Plattensees einige Weingüter etabliert, die gehaltvolle rote Chateaux-Weine (der Begriff findet sich auf den ungarischsprachigen Etiketten) in gehobener Barrique-Qualität mit bis zu 14,5 Volumenprozent produzieren.
Heute finden sich in ganz Ungarn zahlreiche Weinbauregionen:
- Ászár-Neszmély 1400 ha
- Badacsony 1600 ha
- Balatonfüred-Csopak 1700 ha
- Balaton-felvidék 2500 ha
- Bükkalja 980 ha
- Csongrád 1850 ha
- Balaton Süd 2600 ha
- Eger 3200 ha
- Etyek-Buda 1770 ha
- Hajós-Baja 1400 ha
- Kunság 25600 ha
- Mátraalja 7280 ha
- Mecsekalja 500 ha
- Mór 900 ha
- Pannonhalma-Sokoróalja 630 ha
- Somló 500 ha
- Sopron 1370 ha
- Szekszárd 1900 ha
- Tokaj-Hegyalja 5250 ha
- Tolna 2130 ha
- Villány-Siklós 1600 ha
- Balaton-melléke 2180 ha
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Tokajer
 | Eine leere Flasche Tokajer Aszú 3 Puttonyos |
- Tokajer ist ein ungarischer oder slowakischer Wein, der aus dem 87 Kilometer langen und drei bis vier Kilometer breiten Tokajer Weingebiet stammt und der zu den Dessertweinen gezählt wird. Nur bestimmte Produkte aus dieser Region dürfen den ehrenvollen Namen Tokaji (ungarisch) beziehungsweise Tokajský/-á/-é (slowakisch), das heißt auf Deutsch „Tokajer“, tragen.
- Mit dem Zerfall des Königreichs Ungarn 1918 (bestätigt durch den Friedensvertrag von Trianon von 1920) sind sieben Gemeinden des ehemaligen Königreichs Ungarn im Tokajer Weingebiet Bestandteil der Tschechoslowakei geworden, und seitdem gibt es auch ein kleines slowakisches Tokajer Weingebiet, in dem slowakische Tokajské víno-Flaschen produziert werden.
- Weine mit der Kennung Tocai oder Tokay sind meist irreführende Bezeichnungen italienischer oder französischer Produkte.
- Ausschlaggebend für die Qualität des Tokajer ist das komplexe Zusammenspiel zwischen Bodenbeschaffenheit, Klima, Rebsorte, Weinherstellung und Kellerbehandlung. Die Rebsorten, die auf dem vom Nordwind geschützten vulkanischen Boden mit Löss- und Sandauflage angebaut werden, sind Furmint (ca. 70 %), Lindenblättriger (ung. Hárslevelu, sl. Lipovina) (20–25 %), Muscat lunell (dt. Gelber Muskateller, ung. Sárgamuskotály, sl. Muškát žltý; 5 %) und Oremus, die alle spät reifen. Dadurch profitieren die Weintrauben nicht nur von den trockenen, heißen Sommern, sondern auch von den langen, warmen und nebelreichen Herbsten, die dem Edelfäulepilz ideale Wachstumsbedingungen liefern.
- Die Weinkeller der Region zeichnen sich durch eine ideale Luftfeuchtigkeit und eine gleich bleibende Temperatur von 10 bis 12 Grad Celsius aus. Die Wände der Weinkeller sind mit dem Schimmelpilz Cladosporium cellare bedeckt, der sich vom Alkohol ernährt, der aus den Weinfässern verdunstet. Aufgrund des Schimmelpilzes entsteht ein Mikroklima, dem die Tokajer Weine ihr einzigartiges Aroma verdanken.
- Gekeltert werden edelfaule Trauben, bei denen die Sporen des Schimmelpilzes Botrytis cinerea bewirkt, dass der Wassergehalt der Trauben verdunstet. Dabei nimmt gleichfalls der Säuregehalt ab, so dass der Zuckergehalt bis zu 70 % steigt. Der Edelfäuleprozeß der Beeren wird durch einen regenreichen Sommerausklang gefördert, an den sich vier bis fünf sonnige Herbstwochen anschließen. Ähnlich wie beim Sherry ist der Herstellungsprozess des Tokajers durch die Ausbildung einer besonderen Hefeschicht, dem Flor, gekennzeichnet.
- Die berühmtesten und größten Weingüter sind Bodvin, Fitomark-94 und Badacsonyi.
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