Wein und Speisen - Informationen zu Weine und Speisen auf Wein-Lexikon.com Drucken

Dies ist ein Gebiet, bei dem die Meinungen so richtig aufeinanderprallen und worüber man sich streiten könnte, wenn man wollte.

Da jeder einen anderen Geschmack hat, was ja natürlich und durchaus auch zu respektieren ist, ist es nicht einfach, hier Empfehlungen zu geben.

Und mehr möchten wir auch nicht. Empfehlungen, die nachfolgend von uns ausgesprochen werden, dienen lediglich dazu, ausprobiert zu werden und wenn dann ein Nutzwert für den geneigten Leser entsteht, haben wir unser Ziel erreicht. Und wenn nicht, dann weiss man zumindest, welcher Wein zu welcher Speise passt und fällt nicht auf den Bauch, wenn mal jemand zu Besuch kommt, der sich einbildet, viel vom Wein zu verstehen.

Auf Reisen oder im Urlaub gibt's ja eh nichts zu diskutieren, denn da kommt mit Sicherheit der Wein zum Essen auf den Tisch, der regional seit Jahrhunderten verfügbar ist und der passt einfach! Basta!

Somit ist es auch verständlich, dass Sie fragen können wen Sie wollen. Sie werden immer wieder etwas anderes hören. Essen Sie mal zur Spargelzeit dieses herrliche Gemüse in Franken oder in Baden! Und schon werden Sie mit völlig verschiedenen, aber hervorragend dazu passenden Weinen, konfrontiert und die kommen natürlich alle aus der Region! Und so ist es weltweit mit jeder Speise und vor allem in jeder Region genau so. Denn jeder bereitet die Speisen anders zu und bevorzugt natürlich die Weine, die in seiner Gegend oder zumindest in der Nähe wachsen. Und wenn keine wachsen, trinkt man halt zum Essen beispielsweise hervorragendes Bier, ist ja auch nicht schlecht, oder? Mögen Sie doch mal über folgendes Beispiel nachdenken: Bestellen und trinken Sie mal in Ober- oder Niederbayern einen Wein zum "Schweinsbraten" ! Da kommt Freude auf und man wird leise weinen!

Ist ja auch nicht einzusehen, warum man einen "passenden" Wein aus der Neuen Welt, Australien, Südafrika usw. einem einheimischen "gleichwertigen" vorziehen sollte. Aber Spass kann dies durchaus machen, denn man holt sich seine Urlaubserlebnisse nach Hause. Ob's dann auch so schmeckt, wie man es in Erinnerung hat, bleibt dahingestellt, denn das Gericht, das man hier kocht, schmeckt garantiert anders und passt der Wein dann noch? Und die Stimmung, das Wetter und das ganze Ambiente waren auch anders!

Eher klappt das noch bei europäischen Weinen, denn da bekommt man wirklich fast aus jeder Region den Wein, den man will. Aber will man das? Urlaub zu Hause? Kann man genau so kochen wie die Leute dort? Hat man die Zutaten und kennt man die Rezepte und Tricks auch einfachster Gerichte? Meistens nicht! Nicht jeder hat eine sizilianische Mama, die das auch schon seit Urzeiten übernommen hat und ihre Pasta so macht, wie wir es hier nie hinbringen! Aber probieren können wir's ja.

Wenn wir ein einheimisches Gericht kochen, wäre es vielleicht doch gescheiter, dieses durch einen einheimischen Wein zu begleiten. Man sollte darüber nachdenken.

Dann gibt's da noch sinngemäss so schlaue Sprüche wie: Weisswein zu weissem Fleisch oder Fisch und Rotwein zu dunklem Fleisch (+ Wild). Dies ist zwar altbewährt, aber furchtbar langweilig! Das war eben früher so. Der Markt war enger und man bekam nicht, wie heute, durchaus entsprechende und gute Weine aus der ganzen Welt gleich um die Ecke. Auch haben sich die Essensgewohnheiten, nicht zuletzt auch durch moderne weltweite Einflüsse beim Essen, gewaltig verändert. Ferner legte damals noch nicht der Hausarzt sein Veto ein, indem er sagte, diesen oder jenen Wein sollte man meiden wegen Gicht usw. Heute leben die meisten gesundheitsbewusster und achten gegebenenfalls auf die Ratschläge ihrer Ärzte, zumindest hier bei uns. Ob das in Italien, Frankreich, Spanien usw. auch so ist? Wir wissen nicht, was passiert, wenn ein Arzt einem Franzosen seinen Rotwein verbietet! Wahrscheinlich ein Arztwechsel - (Spass muss sein!).

Wie man sieht, kann es schön kompliziert werden, darüber nachzudenken, welcher Wein zu welchen Speisen am besten passt. Darum wird es Zeit, das wir das Ganze auf einen sehr einfachen Nenner bringen:

Zum Essen passt der Wein, egal ob weiss oder rot, am besten, der einem schmeckt, der einem bekommt und den man trinken darf! Punkt! Ist eigentlich ganz einfach!

In diesem Sinne wünschen wir dem Leser dieses Artikels viel Vergnügen und möge die eine oder andere Anregung für ihn nutzvoll sein.

Einige Faustregeln:

  • Essen und Wein sollten sich gegenseitig harmonisch ergänzen und nicht der Wein soll das Essen erdrücken oder das Essen soll den Wein verblassen lassen.
  • Soll man für die Zubereitung einer Speise einen Weisswein oder Rotwein für die Sauce oder sonst was hernehmen (Angabe im Kochrezept), ist dieser Wein nur folgerichtig der ideale Begleiter für das Essen, egal, ob es ich um ein Fleisch- oder Fischgericht handelt. Man sollte also hier auch gute Weine hernehmen, weil man ihn ja anschliessend zum Essen trinkt. Also nicht nach dem Motto: "Fürs Kochen langt der allemal".
  • Viele salzen gerne. Wie verträgt sich Salz mit Wein? Salz verstärkt das süsse Geschmacksempfinden. Also würde ein süsser Wein zu Austern passen, aber testen Sie mal, ob Sie das wirklich angeboten bekommen! Meistens werden Austern mit einem Glas trockenen oder halbtrockenen Wein serviert.
  • Salate werden je nach Region auch sauer angeboten. Dazu noch ein herber, trockener Wein und die Säure nimmt überhand. Das ist was für Leute, denen nichts zu sauer ist!
  • Saucen: Je würziger das Essen ist, um so kraftvoller sollte der Wein sein.
  • Je einfacher eine Speise ist, umso kräftiger kann der Wein sein und umgekehrt. Ein anspruchsvolles Gericht, das alle Geschmacksnuancen fordert, sollte von einem leichten Wein begleitet werden, denn dem Essen ist Vorrang einzuräumen.
  • Alkohol macht scharfe asiatische Speisen noch schärfer. Hierzu kann man einen halbtrockenen, säurearmen Roten geniessen.
  • Käse: Wein und Käse vertragen sich hervorragend. (Aber nicht, wenn man ihn zum Zwecke des Einkaufs irgendwo probiert! Schmeckt immer alles nach Käse und die Aromen und der Geschmack des Weins werden nicht wahrgenommen! Hier sollte man trockenes ungewürztes Brot zum Neutralisieren der Geschmacksnerven zwischen 2 Weinen bevorzugen. Wenn Ihnen jemand Käse beim Probieren anbietet, könnte man den Eindruck bekommen, er wolle nicht, dass man die Eigenschaften des Weins bemerkt und wolle etwas verbergen).
    Ansonsten lässt sich sagen, dass sich milder Käse mit einfachem trockenen Wein gut verträgt. Würzige und schärfere Käsesorten vertragen sich durchaus mit kräftigen und süssen bis edelsüssen Weinen.

Wenn man einige dieser Grundregeln befolgt, kann eigentlich nichts schief gehen. Primär sollte man davon abkommen, sich darüber Gedanken zu machen, was ein erfahrener Sommelier in einem Feinschmeckerlokal zu diesem oder jenem empfiehlt, das ist was für Fortgeschrittene und kann sich sehr schnell zum Kult auswachsen und hier prallen dann die Meinungen aufeinander.
Eher ist es richtig, dem weinbauenden Volk auf den Tisch zu schauen und dann wird man sehr schnell feststellen, dass meistens ein einfacher, regionstypischer Landwein auf den Tisch kommt, oft mit viel Mineralwasser dazu. Und wenn man dann noch ein bisschen darüber nachdenkt, welcher Wein zu dieser oder jener Speise passen könnte und einfach mutig probiert, dann hat man das Ganze, zumindest für den eigenen Geschmack und das eigene Wohl, sehr bald im Griff. Das Wichtigste ist, dass der begleitende Wein nicht so dominiert, dass er dem Geschmack des Essens keinen Raum mehr lässt. Und im Gegensatz zum Bier wird Wein nie für den Durst getrunken, sondern soll ein Genuss sein. Drum die unvermeidliche Flasche Mineralwasser für den Durst. Sie können oft beobachten, dass viele Völker, die regelmässig Wein zum Essen trinken, ihren Wein auch direkt im gleichen Glas mit Mineralwasser oder Wasser verdünnen und nicht unbedingt das Wasser separat zum Wein nehmen. Hierfür sind die meist einfachen und unkomplizierten, aber doch gehaltvollen regionalen Weine, vor allem jedoch die Landweine, geradezu prädestiniert.


Bleibt nur noch eine kleine Wiederholung des Wichtigsten:

Einfach das zum Essen trinken, was einem schmeckt und starre und veraltetet Regeln wie etwa "Zu weissem Fleisch oder Fisch gehören Weissweine und zu dunklem Fleisch oder Wild gehören Rotweine" einfach ignorieren, mutig neue Wege gehen und sich über eine gelungene selbst zusammengestellte Komposition von Wein und Speisen freuen.

 
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